Die Elbinsel Veddel ging 1768 in hamburgischen Besitz über, nachdem sie zuvor über 100 Jahre dänisches Eigentum gewesen war. Ursprünglich als Weideland für das Vieh genutzt – der Name Veddel bedeutet vermutlich auch Weideland – wurde sie nach dem vereinbarten Zollanschluss 1881 zu einem Hafen- und Industriegebiet.
1894 wurde die Veddel offiziell zu einem eigenständigen Stadtteil erhoben. Zuvor war von einer gemeinnützigen Baugesellschaft eine gartenstadtähnliche Arbeitersiedlung im Nordwesten der Veddel errichtet worden. Diese Siedlung ist heute nicht mehr vorhanden, da sie bereits 1928 einer sechsgeschossigen „Groß – Siedlung Veddel“ weichen musste.
Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete der Hamburger Reeder Albert Ballin auf der Veddel Unterkünfte für die Menschen, die von Hamburg aus in die Neue Welt aufbrechen wollten. Auf rund 55000 Quadratmetern ließ er sowohl Wohn- und Schlafstätten, als auch Speisehallen, Bäder, Kirchen und Synagogen sowie Räume für ärztliche Untersuchungen errichten. In den Unterkünften konnten bis zu 5000 Menschen Platz finden. Jeder Auswanderungswillige musste sich hier anmelden und untersuchen lassen. Auf diese Weise wurde zum einen erreicht, dass keine Krankheiten auf die Schiffe getragen wurden, zum anderen waren die Auswanderer vor den Neppern, Schleppern und Bauernfängern in Hamburg geschützt. Die so genannten „Auswandererhallen galten zur damaligen Zeit als Vorbild an Sauberkeit und Effektivität. Aufenthalt, Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Später wurden die Hallen entweder als Lager genutzt oder abgerissen.
Die verheerende Sturmflut von 1962 verschonte natürlich auch den Insel – Stadtteil Veddel nicht. Die meisten Bewohner konnten sich jedoch glücklicherweise auf den Bahndamm oder die oberen Etagen der Häuser retten.
Heute ist die Veddel ein relativ kleiner Stadtteil südöstlich des Hamburger Hafens. Er verteilt sich auf die Inseln Veddel, Peute und Georgswerder die alle im breiten Strom der Norderelbe liegen. Auf den ca. 4 km² lebt eine im Hamburger Schnitt gesehen sehr junge Bevölkerung. Der Anteil der Unter 18 – Jährigen liegt in dem 4708 Einwohner zählenden Stadtteil bei 26,1%. Aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Hamburger Hafen war die Veddel seit je her ein Arbeiterviertel. Durch den kontinuierlichen Zuzug ausländischer Mitbürger ist sie mittlerweile aber auch ein durch seine kulturelle Vielfalt geprägter Stadtteil geworden.
Schwer getroffen hat die Veddel die industrielle Krise, in der sich Deutschland seit einigen Jahren befindet. Der Anteil an Sozialhilfeempfängern liegt hier bei über 25%. Die Zukunft soll jedoch wieder besser werden für die Veddeler. Einen Aufbruch in bessere Zeiten erhofft man sich vor allem durch die Eröffnung der „BallinStadt“, dem im Juli 2007 eröffneten Auswanderermuseum. Vor allem in den Ländern Nord- und Südamerikas leben heutzutage viele Menschen deren Vorfahren ihren Weg in die Neue Welt von der Hamburger Veddel aus gestartet haben. Amerikanische Urlauber, die erfahren möchten, wie ihre Vorfahren den alten Kontinent verließen, sollen in Zukunft den Veddelern neue Einkunftsmöglichkeiten in den bereichen Tourismus und Gastronomie bieten.
In den letzten Jahren haben sich auch verstärkt Studenten in speziell subventionierten Wohnungen auf der Veddel niedergelassen. Ihnen folgten eine Reihe neuer Geschäfte, Restaurants, Bars und Cafés, die den Stadtteil kulturell aufwerten und den Bewohnern neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung geben.
Natürlich ist auf der Veddel auch weiterhin viel Industrie vorhanden. Auf der Peute, dem Veddeler Industriegebiet produziert seit 1905 die Norddeutsche Affinerie Kupfer. Sie ist Hamburgs größter industrieller Arbeitgeber. Neben der Affinerie haben sich auf der Peute auch eine ganze Reihe von Speditionen und Recyclingunternehmen niedergelassen. Industrieromantiker werden somit auch in Zukunft auf der Veddel auf ihre Kosten kommen können.

